Vorwort

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Brunnen und Staffeln in Stuttgart

Stuttgart hat was – zumindest seine mindestens 250 Brunnen und weit über 300 Staffeln. Von manchem kaum bemerkt, sind sie beinahe überall anzutreffen und bieten den Bürgern der Stadt Abwechslung und Erholung.

Die meisten Wasserspiele sind nicht so grandios oder so aufwändig wie so viele in Rom oder in Paris, aber es sind echte Schmuckstücke dabei. Der Galateabrunnen zum Beispiel lässt ahnen, dass auch Stuttgart gelegentlich einen Anflug von Mondänem gehabt haben mag.

Detail am Galateabrunnen

Längst haben die Brunnen ihre ursprüngliche Funktion verloren. Früher wußte jedes Kind, wo der Dorfbrunnen steht, einfach weil es lebenswichtig war. In unseren Tagen verspürt wohl niemand große Lust, die pro Tag benötigten 12 Eimer Wasser vom nächsten Brunnen zu holen.

Brunnen können heute andere Funktionen übernehmen, wenn sie an dafür passenden Plätzen aufgestellt sind. Dem eiligen Kauflustigen in der Innenstadt bieten sie einen Platz zum Innehalten an, zum Betrachten der mal schönen, mal spannenden Architektur. Manchmal fasziniert einfach die Funktion eines Wasserspiels. Und immer wieder gibt es schöne Details an den Brunnen zu entdecken.

Die Pusteblume in der Königstraße

An heißen Sommertagen kühlen die großen, wasserreichen Brunnen ihre nähere Umgebung genauso wie die Stirn des schwitzenden Spaziergängers. An der Peripherie der Stadt laden viele einfache Wasserspender den Wanderer immer wieder zum Verweilen oder Erfrischen ein.

Am Wolfertsbachbrunnen im Beunden

Und erst die Staffeln! Welche andere Stadt hat derartiges zu bieten? Den Vergleich mit Paris braucht Stuttgart in dieser Hinsicht nicht zu scheuen. Man gehe einmal an einem schönen Sommertag von der Reinsburgstraße im Stuttgarter Westen gemächlich die Bismarckstaffel hinab, oder man steige die Sünderstaffel hoch. Dann kann man verstehen, was ich meine. Treppen als kleine, schattige, grüne Oasen in der Großstadt. Wer viel Kondition hat, der kann sich an der mit 256 Metern längsten Treppe, der Taubenstaffel in Heslach, versuchen.

Die BismarckstaffelEin Teil der Sünderstaffel

Der Notwendigkeit, kleine Treppen in die steilen Weinberge zu setzen, verdanken die Stäffele ihren Ursprung. Erst später, als die Weinberge im heutigen Stadtgebiet dem Häuserbau weichen mussten, entstanden die ersten Staffeln in der Stadt. Diese Entwicklung kann man sehr schön an den Hängen der Stadt nachvollziehen, wo ehemalige Weinbergstücke als Schrebergärten oberhalb der Häuserzeilen erhalten geblieben sind.

Wer es gerne grüner mag, der erklimmt die schmalen Stufen der unzähligen Stäffele in den Weinbergen der Randgebiete, zum Beispiel in Untertürkheim. Idyllische, verwilderte Steinstufen winden sich durch die Weinberge. Hier findet man häufig die ursprünglichen flachen Stufen, die den Lasttieren ein Emporklimmen ermöglichten. Diese Stufen sind bei Nässe und Schnee schnell vereist und machen so manchen Spaziergänger zum „Stäffelesrutscher“.

Weinbergstaffel in UntertürkheimIn den Weinbergen

Idyllische, verwilderte Steinstufen winden sich durch die Weinberge, und immer wieder hat der Wanderer einen grandiosen Ausblick auf wunderschön gelegene Ortschaften, auf die großen Gewerbegebiete im Neckartal oder auf das „schwäbische Taj Mahal“.

Fernblick im Beunden

Blick auf Stuttgart vom Hägle aus

Blick vom Wangener Höhenweg auf die Untertürkheimer Weinberge