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Archiv für die Kategorie 'S-Süd'

Paulinenbrunnen – Ein Happy-End

Samstag, 10. Mai 2008

Stuttgart-Süd, Karlshöhe

Sehr lange war der Paulinenbrunnen seiner Figurengruppe beraubt; am 4. Mai 2008 endlich konnte er mit einem neuen Abguss der Bronzeplastik und des wasserspeienden Löwen den Bürgern vorgestellt werden.

Paulinenbrunnen neu 1

Paulinenbrunnen neu FigurengruppePaulinenbrunnen neu Löwenmaske

Wer kennt den „alten“ Rupert-Mayer-Platz vor der Marienkirche in Stuttgart-Süd bis ins Jahr 2007? Dieser Platz wurde erst 1987 nach dem Jesuitenpater Rupert Mayer benannt. Der Ort selbst und die nähere Umgebung unter der Paulinenbrücke waren ein zumeist schmuddeliges, dunkles Eck, mit deutlichem Odeur von Urin, mit meistens viel Abfall und leeren Flaschen drumherum. Und auf diesem Platz fristete die Ruine des Paulinenbrunnens ihr Dasein.

Paulinenbrunnen alt 1

Paulinenbrunnen alt 2 Paulinenbrunnen alt 3

Nun wurde der Rupert-Mayer-Platz in mehreren Abschnitten saniert und umgestaltet. Parallel zu der Neugestaltung des Platzes ist es der Stiftung Stuttgarter Brünnele und dem Tiefbauamt Stuttgart nun gelungen, den Brunnen in seiner ganzen Pracht wieder auferstehen zu lassen.

Paulinenbrunnen Baustelle

Dabei hatte damals alles so gut angefangen. Schon Ende des vorletzten Jahrhunderts stand hier dieser Brunnenstock an der Tübinger Straße. Von der Bevölkerung wurde der Wasserspender in Anlehnung an das nicht weit entfernte Furtbach-Krankenhaus liebevoll Furtbachbrünnele genannt. Der Unterbau des Brunnens ist ein massiver Granitblock mit einer Brunnenschale, die in der heutigen Form allerdings erst 1920 angebracht wurde. Ein Löwenmaul im Brunnenstock versorgt die Schale mit Wasser. Rechts und links des Brunnenstocks schließen sich Steinbänke an. Die ganze, vom Stuttgarter Stadtbaurat Emil Mayer entworfene Brunnenanlage steht auf einem ovalen Unterbau aus Stein, deren Rand sie nach hinten abschließt . Um den Brunnen aufzuwerten, sollte eine künstlerische Plastik den Brunnenstock dekorieren. Dabei fiel das Augenmerk auf die Gruppe „Mutterliebe“ von Donndorf.

Der Bildhauer Professor Adolf von Donndorf hatte ein Modell jener Plastik, eine Wasser holende Mutter mit zwei Kindern, in den ersten Monaten des Jahres 1880 entworfen. Die Figur der Mutter entstand in dankbarer Erinnerung an seine Mutter, und seine Ehefrau stand Modell. Der erste Abguss wurde im Auftrag von Daniel Willis James für New York hergestellt. Dort am Union Square wurde sie als James Fountain 1881 enthüllt (Union Square Drinking Fountain) und ist dort heute noch zu sehen. Der zweite Abguss ging 1892 als Stiftung von Oswald Ottendorfer ins böhmische Zwittau, wo der „Mutterliebe“ genannte Brunnen heute noch existiert. Den dritten Abguss schenkte Donndorf 1895 seiner Heimatstadt Weimar, wo sie als Donndorfbrunnen gegenüber dem Palais steht. Die vierte Bronze für Stuttgart wurde 1898 durch die Geldsammel-Initiative des Verlegers Adolf Spemann und des Vereins zur Förderung der Kunst ermöglicht. Hugo Pelargus führte die Arbeiten in seiner Erzgießerei durch. Danach war das Furtbachbrünnele künstlerisch vollständig.

Der Brunnen wurde Prinzessin Pauline, spätere Fürstin zu Wied, gewidmet. Sie war die Tochter König Wilhelm II, anders als die Namensgeberin der Paulinenstraße. Dabei handelt es sich um Königin Pauline von Württemberg, die dritte Frau König Wilhelm I. Leider wurde die Figurengruppe des Paulinenbrunnens im ersten Weltkrieg eingeschmolzen, „waffenfähig machen“ nannte man das wohl. Später wurde dann eine schlichte Schale aus Granit auf den Brunnenstock gesetzt. Im Jahr 2000 wurde der Paulinenbrunnen saniert.

Am 25. Mai 2007 verkündete die Stiftung Stuttgarter Brünnele ihr neues Projekt: die Restaurierung des Paulinenbrunnens. Spenden in Höhe von 60000 Euro kamen zusammen. Im Herbst 2007 nahmen in Weimar zwei Mitarbeiter der Kunstgiesserei Strassacker aus Süssen die Form von der Weimarer Skulptur des Donndorfbrunnens ab. Mit dem in einer Gipsschale stabilisierten Silikonabdruck konnte ein neuer Abguss für den Stuttgarter Paulinenbrunnen hergestellt werde. Als Dank für die Abformungserlaubnis übernimmt Stuttgart die Kosten für die ebenfalls notwendigen Restaurierungsarbeiten am Weimarer Donndorfbrunnen.

Also, wenn Sie nun Lust bekommen haben, einen finanziellen Beitrag zur Erhaltung und Restaurierung der vielen schönen Stuttgarter Brunnen zu leisten, dann wenden Sie sich schnell an die Stiftung Stuttgarter Brünnele. Für die Stuttgarter Brunnen gilt wie überall: es gibt viel zu tun!

In der Nähe: Tübinger Tor, Gänsepeter-Brunnen, Elly-Heuss-Knapp-Brunnen, Willy-Reichert-Staffel, Oskar-Heiler-Staffel, Else-Himmelheber-Staffel, Karls- höhe

Krisenbegleitung

Jungfrau mit den Tränenschalen

Sonntag, 16. Dezember 2007

Degerloch

Einen besonders schönen Brunnen findet man an einer Gebäuderückseite auf dem Waldfriedhof in Degerloch. Im Jahre 1914 wurde der 30,7 ha große Friedhof eröffnet. Eine der Sehenswürdigkeiten von Beginn an war die von Professor Josef Zeitler geschaffene Brunnenfigur „Die Jungfrau mit den Tränenschalen“.

Die Jungfrau mit den Tränenschalen

Die Figur wurde von Bildhauer Zeitler in Zusammenarbeit mit der WMF Geislingen als Kupfer-Plastik hergestellt. Die Plastik ist inzwischen das einzig verbliebene Beispiel für diese Art von elektrolytischem Herstellungsverfahren.

Die Jungfrau hält in jeder Hand eine wassergefüllte Schale, das Wasser tropft über den Rand der Schalen in ein Wasserbecken. Neben dem Brunnen ist folgende Inschrift angebracht:

„Jeder Tropfen gilt zugleich einem erlöschenden Menschenleben“

Die TränenschaleDas Wasserbecken

Während des zweiten Weltkrieges wurde die Figur beschädigt und nach Ende des Krieges restauriert. Der Brunnen war bis 1965 in Betrieb, dann waren die Wasserleitungen verkalkt. Von 2000 bis 2002 wurde die Anlage für 8700 Euro restauriert, und am 7. Oktober 2002 in Betrieb genommen. Leider wurde der Brunnen inzwischen wiederum beschädigt.

Die Jungfrau

Der wunderschön oberhalb des Nesenbachtals gelegene Waldfriedhof hatte von Anfang an einen Nachteil: er war mühselig zu erreichen. 1928 wurde deshalb die Omnibuslinie „W“ eingerichtet, deren Kapazität allerdings bei größeren Feierlichkeiten nicht für alle Teilnehmer ausreichte.

In der Folge entstand eine weitere Stuttgarter Sehenswürdigkeit, die unmittelbar mit dem Friedhof verbunden ist: eine Standseilbahn, als Linie 20 Bestandteil der Stuttgarter Straßenbahnen AG. Im Frühjahr 1929 begannen die Bauarbeiten an dieser Strecke, am 30. Oktober 1929 wurde die neue Verkehrsverbindung der Öffentlichkeit übergeben. Die 1928-1929 von der Esslinger Maschinenfabrik gebaute Bahn hatte im Volksmund bald seinen Spitznamen weg:
„der Erbschleicher-Express“.

Heute ist diese denkmalgeschützte Bahn eine von zwölfen in ganz Deutschland.

Krisenbegleitung